Dienstag

Einleitung

Ich hatte kürzlich das Gefühl, dass mir noch was im Leben fehlen würde. Und zwar Spaghetti Western. Mein Papa mochte sie, ich habe sie nie so recht verstanden. Deshalb habe ich vor, mir die sagen wir 100 (hihi) besten (hihihihi) anzusehen.

Es gibt schon ein paar interessante Punkte dieses Genre betreffend. Ich finde es erfrischend, dass es sonst weiter nicht viel Moral gibt. Ich weiß nicht, warum. Vielleicht meine antisoziale Seite. Jedenfalls sind Religion, Familie, Tugendhaftigkeit und Anstand keine großen Themen. Das Leben ist scheiße und man muss sehen, wo man bleibt. Morgen kann es vorbei sein, was soll's. Auch dass es keine "Helden" gibt, jedenfalls nicht im Sinne von "Good Guys". Nicht wirklich. Alle Menschen sind schlecht, manche sind halt noch schlechter als andere.

Ich bin gespannt, ob ich auch irgendwo zumindest eine vernünftige Frauenrolle finde. Viel Hoffnung hab ich nicht. Normalerweise gefallen mir Filme ohne coole Frauenrollen nicht besonders, aber hier werde ich versuchen, das auszublenden.

Es sollten immer wieder die selben Klischees verbraten werden, und da das die Absicht der Filmemacher war, werde ich es nicht gegen sie verwenden.

Also, los geht's. Auch für meinen Papa. Per te, Manfredo.

Montag

Per qualche dollaro in più (1965)

For a Few Dollars More - Für ein paar Dollar mehr
 

Hui. Wenn dieser Film in den Saloon tritt, hört die Musik auf zu spielen. Vielleicht der beste Spaghetti-Western aller Zeiten? Jedenfalls ist die Story interessant, und Eastwood hat wohl nie besser ausgesehen. Cineastisch und musikalisch herausragend, aber das weiß ja wirklich sogar der letzte Spaghetti-Verächter ohnehin schon. Harmlos ist der Film aber natürlich nicht, es wird zwar viel gestarrt (sehr viel) und fake geschossen (pfffiiiuuu!), aber es sind auch ein paar heftigere Szenen dabei.
 
Lieblingsszene: Wie El Indios Bande die Bank und deren Wächter ausspioniert.

Sonntag

Per un pugno di dollari (1964)

 A Fistful of Dollars - Für eine Handvoll Dollar
 

Tja, der wirkt irgendwie tapsig im Vergleich zu "A Few Dollars More", nicht? Die Story ist eher doof, und die Charaktere auch. Es ist alles ziemlich uninteressant. Ja, es gibt die Musik, die Settings, aber aus der Trilogie wirkt dieser hier am ehesten wie ein Bud-Spencer-Film. Ob einen das jetzt anspricht ist natürlich Geschmackssache. Mir gefällt's nicht (mehr) besonders.
 
Lieblingsszene: Wo sie wie in "Winnetou" zwischen Felsen herumreiten.

Samstag

Il buono, il brutto, il cattivo (1966)

The Good, the Bad and the Ugly - Zwei glorreiche Halunken
 

Ich nehme an, die Deutschen Titelvergeber haben es echt versucht, aber es klang einfach nicht gut. Naja, sie haben den Film aber recht gut erfasst, schließlich hat Van Cleef hier überhaupt nichts zu tun, und Eastwood (etwas weniger) und Wallach (sehr viel) teilen den Ruhm.
 
Ich nehme außerdem an, hier traute sich schon niemand mehr dem Sergio mal zu sagen "Dude, this is way too long". Ich war fast etwas enttäuscht, dass es nicht noch mehr cinematographisch strahlende Szenen gibt (es gibt sie natürlich schon, nur halt nicht oft genug). Dafür sind all die Bürgerkriegs-Szenen einfach langweilig und uninteressant, noch dazu mit dieser Tröt-Hero-Musik unterlegt. Insgesamt eher unausgewogen, viel Gutes, viel Ödes. Und "Buono" ist hier natürlich niemand, es ist eine ziemliche Arschloch-Veranstaltung. Achja, die Musik: Saugeil, mit der oben erwähnten Ausnahme.
 
Lieblingsszene: Wenn die herrenlose Kutsche in der Wüste herbeirast.

Freitag

C'era una volta il West (1968)

Once Upon a Time in the West - Spiel mir das Lied vom Tod
 
Du meine Güte. Leone erklärt hier Dinge eeeeewig lang, die keiner Erklärung bedürfen, dafür erklärt er die wichtigen Plotpoints gar nicht oder irgendwie in Nebensätzen. Ja, vielleicht will er damit sagen, dass Plots unwichtig sind, und Style wichtiger. So kann man dann den Film vielleicht genießen. Ich kann es anscheinend nicht. Es ist einfach uninteressant und ja, seufz, viel zu langsam. Ein paar langsame Szenen am Anfang sind ja stilistisch gut, aber nach zwei Stunden lässt man irgendwann den Nacken nach hinten kippen, und es ist einem einfach schon egal.

Und zwar auch, weil die Charaktere so anstrengend sind. Cardinales Jill geht einem nach hoffnungsfrohem Start nur noch auf die Nerven, Bronsons Typen versteht man halt zweienhalb Stunden nicht (auch find ich nicht, dass er an Eastwood heranreichen kann), Fondas Bösewicht ist so ein Superarschloch, dass man ihm gar nicht zuschauen möchte, und Robards ist all over the place und irgendwann plötzlich scheinbar gewandelt, ohne Grund. Ja, ich sag's noch schnell: Ja, die Musik, und ja, die Cinematographie. Who cares.

Lieblingsszene: Von mir aus die Szene, als Jill mit dem Zug ankommt und langsam merkt, dass da irgendwas nicht stimmt. Da hat man als Zuschauer auch noch Hoffnung.

Donnerstag

La resa dei conti (1966)

The Big Gundown - Der Gehetzte der Sierra Madre 
 
 
Mein Gott, ich hasse Milián in diesem Film. (Vielleicht in allen seinen Filmen, das weiß ich noch nicht). Van Cleef ist gut und eigentlich der einzige, den man sich hier ansehen kann und dessen Motivation man irgendwie nachvollziehen kann. Die restlichen Charaktere sind Cartoons und handeln komplett idiotisch. Die Frauenrollen sind... seufz.

Schrecklicher Film. Und das soll einer der besten Spaghetti-Western sein. Einer der besten! Einer der besten?? Da freu ich mich ja schon auf die schlechteren.
 
Die Musik ist recht gut und das Titelthema irgendwo zwischen bizarr-nervig und fantastisch. Das Ende des Films macht irgendwie Sinn und versöhnt minimalst.

Lieblingsszene: Pfff. Ein beliebiges Closeup von Van Cleef ohne Dialog.

Mittwoch

Il mercenario (1968)

The Mercenary - Die gefürchteten Zwei
 
 
OK, der ist ein paar Kontinente besser als "La resa dei conti". Classy in Szene gesetzt, interessant, gut gespielt, farbenfroh, ernsthaft und abwechslungsreich. Alle machen hier einen guten Job. Nero ist wie erwartet toll, aber auch die anderen Leads sind echt gut.
 
Nicht ganz unwichtig ist bei diesem positiven Fazit natürlich die Story - es gibt eine, ich verstehe sie, und ich verstehe fast immer, warum sich die Menschen so verhalten, wie sie es tun. (Einzig die Eifersuchtsstoryline ist ganz an mir vorbeigegangen, aber der Film hat sie ja dann recht schnell erklärt).

Ein echter Film halt, und nicht nur eine Aneinanderreihung von Szenen, die der Regisseur "immer schon mal irgendwie umsetzen wollte".
 
Auch die Rolle der Columba ist stimmig, im Grunde haben wir also die von mir im Intro erwähnte "vernünftige Frauenrolle" hier schon gefunden. (Bin gespannt, ob's nochmal irgendwo eine geben wird).

Lieblingsszene: Alle, außer wenn El Polaco seine Zigaretten anzündet. Aber ansonsten alle.

Dienstag

Faccia a faccia (1967)

Face to Face - Von Angesicht zu Angesicht/Zwei für ein Halleluja
 

Mann, Milián schaut wie ein Vollidiot in diesem Film aus. What's. With. The. Hair. Selbst Volontè ist hier ein großer Loser, der noch dazu ständig aussieht, als wäre er in Kreide gefallen. Die Frauen sind... ach, don't get me started.

Ich glaube, das wird nix mehr mit Sollima und mir. Die Story wäre eigentlich interessanter als die in "Big Gundown", aber so wie sie erzählt wird, ist sie nicht gerade spannend oder verständlich. Die ganze Geschichte mit diesem "Outcast"-Lager ist wahnsinnig uninteressant.
 
Der Clou soll ja wohl die Wandlung von Volontès Charakter sein - naja, auf dem Papier klingt das wie eine gute Idee, ist aber im Film null nachvollziehbar. Was genau hat ihn jetzt vom Softie zum brutalen Gangleader gemacht? Die Rednex-Musik am Lagerfeuer etwa, oder die Hitze? Schrecklich.

Lieblingsszene: Oh Gott, keine. Die End-Credits.
 

Montag

Da uomo a uomo (1967)

Death Rides a Horse - Von Mann zu Mann/Die Rechnung wird mit Blei bezahlt
 
 
Ja, doch. Find ich zwar jetzt nicht durchgehend spannend, aber zumindest ist die Motivation der Charaktere verständlich, und man kann der ganzen Story gut folgen. Es scheint ja so, als ob mir das bei Spaghetti Western wichtig ist, was mich ehrlich gesagt überrascht hat. Ich hätte eher gedacht, dass mir eine gute Cinematografie mit ein paar coolen Szenen genügen würde, weil es ja halt doch viel um "Bilder" geht in diesem Genre. Dem ist aber nicht so. Ich verstehe dann doch gern, warum die Hauptfigur irgendwas tut, und warum man das interessant finden soll. Und das war hier der Fall, das ist also gut.

Van Cleef war wieder super, John Phillip Law fand ich jetzt nicht völlig überzeugend. Er hat zwar die Stimmlage angepasst (was leicht unnatürlich rüberkommt), aber er passt einfach nicht so recht in diese Welt, warum auch immer. Für mich kein Spaghetti-Material, der Law (den ich als Softie-Engel in "Barbarella" sehr mochte), aber auch weit davon entfernt, zu nerven.

Die Musik ist wieder von Morricone und ist wirklich vergnüglich.

Voll okay und einer der sehenswerteren Filme dieser Nische, mehr dann aber auch wieder nicht.

Lieblingsszene: Van Cleef rettet Law den Hintern nach dem Pokerspiel.

Sonntag

Il grande silenzio (1968)

The Great Silence - Leichen pflastern seinen Weg


Also, hier hat der deutsche Titel wiedermal recht - sie pflastern seinen Weg wirklich.

Eigentlich muss ich die Idee loben, ein unkonventionelles Setting (Utah im Winter - so schön kühl) und ein kontroverses Ende, eigentlich gibt's das nicht so oft. Aber oida, ich hätte mir ein anderes Ende gewünscht.

Die Story macht, was sie soll, und die Besetzung ist wirklich gut. Trintignant fand ich recht umwerfend als stillen Helden, er sieht tatsächlich einfach super aus und passt so gut in diese Rolle. Kinski ist Kinski, und Vonetta McGee gefiel mir auch gut, ihre Rolle war nicht mega interessant geschrieben (what a surprise), aber sie macht ihr Möglichstes.

Frank Wolff als Sheriff gab mir ein paar Rätsel auf - war der jetzt doof, oder ein Genie? Im Grunde auch wieder eine gute Idee, weil es kein eindimensionaler Charakter ist, aber so recht funktioniert hat es nicht.

Marisa Merlini war mein Favorit, füllte die wenigen Lines mit Leben und sah jederzeit so aus, als wäre sie mit einhundert Prozent dabei. Sie hat sich wahrscheinlich mehr Gedanken über den Hintergrund und die Beweggründe ihrer Rolle gemacht als der Drehbuchautor.

Die Musik ist sehr gelungen, das wiederkehrende Thema macht süchtig.

Muss man den gesehen haben? Als Genre-Fan natürlich ja, und auch sonst ist der Film nicht uninteressant, aber in die Fave-Liste wird er's nicht schaffen. Dazu war er dann doch zu langatmig, und das Ende ist halt wirklich oasch.

Lieblingsszene: Die Opening Titles, in der sich Silenzio und das Pferd durch den Tiefschnee quälen (ich hoffe, dem Pferd ging es gut...)

Samstag

Dio perdona... Io no! (1967)

God Forgives... I Don't! - Blood River - Gott vergibt ... Django nie! - Gott vergibt ... Wir beide nie - Zwei vom Affen gebissen

Die Titelorgie oben zeigt schon, dass das eine etwas anstrengede Geschichte ist. Ja, es gibt hier die berühmt-berüchtigte andere deutsche Synchronisation, die (auch mithilfe eines feschen Kurzhaar-Schnitts für den Film selbst) daraus eine Komödie macht. Angeblich gibt es auch eine ernste deutsche Synchronisation, zwei schlechte englische, verschiedenste Schnitte und Laufzeiten... Ich weiß nur, es gibt online (auch auf Netflix) grade nur eine Version, und die ist der italienische Dub. Kein schlechter Deal, denke ich. Und die habe ich geschaut.

Und der Film ist nicht schlecht! Mit den späteren Hill/Spencer-Komödien hat er sehr wenig zu tun, er ist furchtbar ernst und auch recht brutal. Beide schauen im Übrigen super aus (ich schreibe das hier immer wieder, aber was soll ich tun, all diese Typen schauen wirklich super aus).

Langsam verstehe ich auch Frank Wolff - der spielt einfach immer so. Alles. So recht anfreunden kann ich mich nicht mit ihm, obwohl er objektiv gesehen einen guten Job macht. Jedenfalls ist er nicht nur "just another villain".

Die Musik wird von Fans weitesgehend gehasst, und tatsächlich krampft es einem alles zusammen, wenn der aggressive Chorgesang aus 1940 da beim Intro los geht. Es gibt aber auch viele gut gelungene musikalische Momente, und zum Schluss hab ich mich fast daran gewöhnt, ständig von einem 50-Personen-Chor angeschrien zu werden.

Gina Rovere wollte ich noch erwähnen. Sie spielt, man glaubt es kaum, eine Prostituierte (gibt es noch andere Frauenrollen in Italowestern?), und ich mochte sie ganz gern. Sie hat das Ganze übrigens tatsächlich in Italienisch gespielt und sich wohl auch selbst synchronisiert, wodurch ihr Spiel viel natürlicher erscheint. Sie hat Ausstrahlung und hätte sie mehr zu tun gehabt, hätte das den Film verbessert.

Aber der geht schon klar. Kann man mal schaun. Die Hauptdarsteller sind einfach spannend zu beobachten, finde ich.

Ich verstehe übrigens nicht, ob Bud (also der im Film, nicht Bud Spencer) seinen Bart zwischen den Szenen immer mal wieder verliert, oder ob das einfach zwei verschiedene Dudes sind. Aber man muss ja nicht alles verstehen.

Lieblingsszene: Bills Burgversteck (angeblich San Ramón, Almería) schaut von außen voll super aus.

Freitag

Una nuvola di polvere... un grido di morte... arriva Sartana (1970)

Light the Fuse... Sartana Is Coming - Sartana kommt!
 

Tatsächlich viel besser als erwartet ist dieser erste Gianni Garko-Film, den ich auf Netflix erwischt habe. Gleichzeitig ist es auch mein erster Sartana, und... er ist gut.

Vor allem die erste Hälfte ist spannend, und der ganze Film macht gut Tempo, ist selten langatmig und hat viel zu erzählen. Die Musik ist super, und richtig Weltklasse sind die Namen der Charaktere. Sartana sowieso, dann Manassas Jim, Grande Full, Monk, Il Polacco, Nobody und Plon Plon. Ich mein - ja bitte!

Gianni Garko ist auch wunderbar, ich freue mich schon darauf, ihn in seinen anderen tausend Filmen zu sehen, weil mir sein Look hier nicht wahnsinnig gut gefällt, aber er hat eine gute Bildschirmpräsenz und schaut halt toll als Cowboy aus.

Ich hab viel über Spaghetti Western gelesen und dieser hier kommt so gut wie nie irgendwo vor, also darf man ihn sicher als Geheimtipp zählen.
 
Die Frauenrolle diesmal wieder von Nieves Navarro ausgefüllt (als "Susan Scott" übrigens), und ich kann mit ihr wieder nix anfangen.

Lieblingsszene: Als Sartana sich im Gefängnis einsperren lässt (die Gefangen sind alle in Löchern in der Erde eingesperrt, voll arg) um dann sich und Grande Full zu befreien. Erst beklemmend, dann eine Genugtuung.